Das Fest der 1000 ist inspiriert durch Gustav Mahlers „Symphonie der 1000“. Diese große Symphonie trägt ihren Namen aufgrund der enormen Anzahl an eingesetzten Musikern. Die Zahl 1000 ist auch im Fest der 1000 symbolisch zu verstehen. Die 1000 portraitierten Persönlichkeiten stehen für die vielen, die unser Land verlassen haben bzw. es gewaltsam verlassen mussten bzw. die ihr Heimatland verlassen haben, um zu uns nach Österreich zu kommen.
Das Fest der 1000 drückt damit eine Wertschätzung gegenüber jenen Menschen aus, die aufgrund ihres Wissens und Könnens über das Gewöhnliche hinaustreten, das Tradierte und Populäre hinterfragen und aufbrechen, Neues schaffen, und damit teilweise sehr erfolgreich sind, teilweise aber auf massivsten Widerstand stoßen. In der Vergangenheit und auch heute noch sind in totalitären Regimes in aller Welt diese Persönlichkeiten die ersten Ziele von Vernichtung und Vertreibung. Jedes Schicksal, jeder Lebensentwurf ist einzigartig und soll im Rahmen der Portraits für sich sprechen.
Die Auswahl der 1000 Persönlichkeiten erfolgte nach sechs Gruppen, die folgende einzelne Berufe umfassen:
(1) Geist und Kultur: z. B. Geistes- und Sprachwissenschafter, Theologen, Psychoanalytiker, Psychologen.
(2) Staat und Öffentlichkeit: hauptsächlich Politiker, Publizisten, Journalisten, Verbands- und Gewerkschaftsfunktionäre, Diplomaten, Rechtsanwälte, Militärs.
(3) Wirtschaft und Soziales: vor allem Unternehmer, Soziologen, Ökonomen, Manager, Sozialarbeiter.
(4) Natur und Technik: wie insbesondere Naturwissenschafter und Techniker.
(5) Kunst und Literatur: beispielsweise Schriftsteller, Lyriker, Schauspieler, Filmschaffende, Musiker, bildende Künstler, Designer, Architekten.
(6) Gesundheit und Sport: z. B. Mediziner, Sportler, Köche.
Arten der Wanderungen: Vier Typen
Die Arten der Wanderungen lassen sich in vier Typen unterteilen: Emigration, Remigration, Immigration und Transmigration. RemigrantInnen sind emigriert, aber wieder nach Österreich zurückgekehrt, TransmigrantInnen immigriert, aber später wieder aus Österreich ausgewandert. Letztere, für die Österreich eine Zwischenstation war, stellen die kleinste Gruppe der Tausend dar (57 Personen).
Die Größe und Bedeutung von Re- und EmigrantInnen (zusammen machen sie rund 85% aus) resultiert aus dem Umstand, dass sie Teil der Vertreibung von Juden und politischen Gegnern durch den Nationalsozialismus 1938 waren oder sich schon in den Jahren davor vorausblickend zur Auswanderung entschlossen oder zu jenen gehörten, die ab 1934 durch das autoritäre Regime des Ständestaates vertrieben wurden.
Auswahl der Personen durch Universität Graz
Die Auswahl sowie die Personenbeschreibungen sind eine Leistung des Instituts für Soziologie an der Universität Graz unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christian Fleck gemeinsam mit Dr. Christian Dayé, Mag. Matthias Revers und Mag. Roswita Baumgartner.
Aufruf: Weitere Fotos gesucht
Die Fotos für die Portraits wurden von der APA Picture Desk weltweit recherchiert. Obwohl die Personen von öffentlichem Interesse und jedenfalls berühmt sind, konnten nicht einmal für drei Viertel der Personen Fotos aufgefunden werden. Das weist darauf hin, dass viele Personen erst zu einem Zeitpunkt anerkannt wurden, als sie in Österreich für Photos nicht mehr verfügbar waren - z. B. weil sie im Ausland lebten. (Alle Leser sind eingeladen, Fotos beizutragen, sofern sie über welche verfügen.) Das Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek konnte über 120 Fotos zur Verfügung stellen.